4. Vogtland - Mineralienbörse in Oelsnitz vom 08.10.2006
- Nachlese -
Bericht : Freie Presse vom 09.10.2006 von Ronny Hager
Reiz der Glitzerwelt und steinernen
Vielfalt bleibt ungebrochen
1000 Besucher bei 4. Vogtland-Mineralienbörse gestern lii Oelsnitz - Händler mit Resonanz zufrieden
Oelsnitz. Dichtes Gedränge schon
am Vormittag, zufriedene Ausstel-
ler und Besucher: Die vierte Vogt-
land-Mineralienbörse gestern in der
Oelsnitzer Vogtland-Sporthalle
lockte 1000 Gäste an und schloss da-
mit nahtlos an die Vorjahre an.
Besonderer Anziehungspunkt
war die Sonderschau zu vogtländi-
schen Gold und Edelsteinen. Sven
Kreher aus Buchwald zeigte seine
Funde und warb für sein im August
eröffnetes Goldmuseum und Natu-
ralienkabinett. Der 37-Jährige sucht
seit acht Jahren Gold. „Irgendwann
will ich doch das Zehn-Gramm-
Nugget finden", verriet er, „aber das
kann noch 20 Jahre dauern." Im-
merhin entdeckte er 1999 das bis-
lang größte Naturgoldstück im
Vogtland von 2,2 Gramm. „Zu 70
Prozent gehört zur Goldsuche
Glück, der Rest ist Fachwissen und
Fleiß", erzählt Kreher, dass gestan-
dene Sammler fassungslos den Kopf
schütteln, wenn Neulingen gleich
ein Superfund gelingt.
So war es Ursula Schubert aus
Posseck, die einst ihren Bruder in ei-
nen Steinbruch begleitete und auf
Anhieb einen Bergkristall entdeck-
te. Seitdem lässt sie die Faszination
Steine nicht mehr los.
Zur Börse kommt sie jedes Jahr gern.
„Die Preise sind in Ordnung, es wird überall
Werbung dafür gemacht, und ge-
kauft habe ich natürlich auch." Mit
Ursula Schubert schaute sich Linda
Grünert um - die junge Posseckerin
fand das Angebot von 51 Händlern
mit insgesamt 110 Metern Tischlän-
ge einfach schön. Zu denen, die im-
mer bei der Börse dabei sind, zählt
Tomas Adamec aus Prag. „Ich kom-
me wegen der sächsischen Minerale
und der Kontakte zu Freunden",
sagt der Händler, der seit 35 Jahren
zugleich Sammler ist.
Erstmals in Oelsnitz präsentierte
Johannes Werner aus Altdorf bei
Nürnberg sein weltweites Stein-An-
gebot: „Hervorragend, ganz tolle Sa-
che", fand der Franke und freute
sich über interessierte Kunden,
fachkundige Gespräche und guten
Umsatz. „Die Menschen hier sind
liebenswert und aufgeschlossen.
Auf manch anderen Börsen gehen
die Leute einfach durch, als wären sie
beim Sonntagsspaziergang.

Was man aus Steinen machen
kann, zeigte Martin Zschächner aus
Lobenstein. „Ich will anregen, Mine-
ralien aus der Region zu schleifen",
zeigt der Feinoptiker und Hobby-
Farbschleifer Schmuckstücke mit
vielen Facetten. Auf diese Art ent-
stehen aus unscheinbar wirkenden
Mineralien wie Diabas, Granit oder
Basalt kleine Wunderdinge. Noch
etwas weiter verarbeitet sind die
Entwürfe, die Goldschmiedemeiste-
rin Bianca Hallebach präsentierte.
Die in Plauen tätige Schmuckgestal-
terin verarbeitet viel aus der Region.
''Ich sammle selbst, es ist die Liebe
zu den einheimischen Steinen, und
der Träger hat dann auch einen Be-
zug dazu", meint die 37-Jährige, de
ren Liebe neben den Topasen vom
Schneckenstein jetzt den Jaspis-Arten
aus dem Klingenthaler Raum gehört.
Die drei auf die Eintrittskarten
verlosten Preise blieben im Vogt-
land. Über einen großen Amethyst
aus Brasilien als Hauptpreis freute
sich Christopher Warthmann aus
Oelsnitz. Die einheimische Sandra
Köhler gewann ein Paar Ammoniten
aus Madagaskar, Kerstin Keilhack
(Plauen) erhielt eine Salzlampe.


Bericht : Vogtlandanzeiger vom 10.10.2006
1000 Besucher auf der Spur der Steine
OELSNITZ - Rund 1000 Besucher
kamen zur 4. Vogtland-Minera-
lienbörse, zog Organisator Stei-
fen Pestel am Sonntagabend Bi-
lanz. „Fachexperten aus dem ge-
samten Bundesgebiet zeigten
sich erstaunt vom Umfang und
Niveau der Veranstaltung", sag-
te der Bösenbrunner. Die 5. Mi-
neralienbörse ist bereits fest ge-
plant. Sie findet am 14. Oktober
2007 statt im Rahmen der
650-Jahrfeier von Oelsnitz. Dem
soll auch das Thema der Sonder-
ausstellung Rechnung tragen,
das jedoch noch nicht feststeht.
Nachgedacht wird darüber, den
einstigen Bergbau rund um
Oelsnitz darzustellen.
Die Schätze aus dem Schoß
der Erde zogen am Sonntag
Scharen von Besuchern an. 51
Fachhändler und Sammler prä-
sentierten ihr Sortiment, noch
mehr als im Vorjahr, berichtete
Steffen Pestel.
Das Interesse vonseiten der
Besucher ist nicht nur auf die Re-
gion beschränkt, sondern geht
quer durch die Republik, wie die
Autonummern zeigen. Auch
Oberbürgermeisterin Eva-Maria
Möbius und ihr Mann Rolf stat-
teten der lockenden Kristallwelt
am Vormittag einen Besuch ab.
„Die besten Stücke waren schon
kurz nach neun weg", erzählte
der Adorfer Aussteller Lothar
Roth. Die Preise haben angezo-
gen, so manche Fundstätte im
Vogtland ist inzwischen ge-
schlossen. Besonders viele Leute
drängen sich am Stand von
Frank Woldert aus Bayreuth. Der
Sammler schürft in der Schweiz
nahe an der Schneegrenze und
bietet außergewöhnliche Stücke
von Bergkristall.

Als besonderer Höhepunkt er-
wies sich erneut die Sonder-
schau auf der Hallenbühne,
diesmal zum Thema „Gold und
Edelsteine aus dem Vogtland".
Sven Kreher, aktiver Goldwä-
scher aus Buchwald, zeigte in
seiner Vitrine die besten Funde,
die er in acht Jahren aus der
Göltzsch und ihren Nebenbä-
chen gewaschen hat.
Zusammen mit seiner Frau
Tabea hatte er auch zwei bildbe-
stückte Wandtafeln gestaltet.
Der 3 7-jährige Kühlanlagen-
monteur sammelt Mineralien
von Kindesbeinen an und
forscht wissenschaftlich auf
dem Gebiet. Krehers Top-Fund
in Gold ist ein stattliches Nugget
von immerhin 13 mal 9 mal
5 Millimetern. Mit Stolz ver-
weist er auf das Goldmuseum,
das er mit seiner Frau in Buch-
wald eröffnet hat, es verfügt
über die größte Sammlung des
gelben Metalls aus dem Vogt-
land. Inzwischen ist das Muse-
um von Freitag bis Sonntag, täg-
lich von 13 bis 18 Uhr, geöffnet.
Dem seltenen Element Zirko-
nium zu verdanken, sind die
Edelsteine gleichen Namens -
die Zirkone. Bei der Goldsuche
in der Göltzsch werden sie
manchmal mit „erwaschen", er-
klärte Kreher. Geschliffen reicht
das Feuer der Zirkone nahe an
den Diamanten. Zum ersten Mal
waren die Edelsteine, die im
Rohzustand eine matte Oberflä-
che zeigen und sowohl transpa-
rent als auch opak vorkommen,

auf der Vogtlandmineralienbör-
se zu bewundern. Begeistert äu-
ßerte sich Kreher über das faszi-
nierende Farbenspiel der Zirko-
ne in rund 20 Facetten von weiß
bis tief schwarzrot - nur in Grün
gebe es sie in der Göltzsch nicht.
Einen Tipp für die Damen hat
der Experte auch parat: Zirkone
strahlen am meisten im Lam-
penlicht und passen daher gut
zur Abendgarderobe.
Eleganten Schmuck brauchte
man nicht lange suchen. Den
hielt Goldschmiedemeisterin
und Gestalterin Bianca Halle-
bach aus Plauen in der Sonder-
ausstellung bereit. Das Hobby -
die Mineraliensuche - und der
Beruf gehen bei ihr Hand in
Hand. Und da war es wieder, das
Thema „Zirkone", verarbeitet
mit Silber oder Gold in wunder-
schönen Anhängern und An-
stecknadeln mit dem interes-
sant strukturierten Mineral Ja-
spis, gefunden in der Gegend
um Klingenthai. Frau Hallebach
gibt auch eigenen Funden von
Kunden den gestalterischen
Rahmen. „Das ist dann ein
Schmuckstück, zu dem man ei-
nen ganz besonderen Bezug
hat", meint die Meisterin.
Wahre Schätze sind in der
Sonderschau zu bewundern. In
ihrer Größe und Reinheit aufse-
henerregend sind die Zitrine -
früher unter dem Namen „Len-
genfelder Topase" beschrieben -
die Gottfried Seifert, ein nam-
hafter Sammler aus Reichen-
bach ausstellt. Es trifft schon zu,
was Gottfried Seifert sagt: „Zum
Mineraliensammeln gehören
drei Leben - das letzte braucht
man zum Genießen und Bewun-
dern." RENATE WÖLLNER