3. Vogtland - Mineralienbörse in Oelsnitz vom 09.10.2005
- Nachlese -
Bericht : Freie Presse vom 10.10.2005 von Ronny Hager
Ein Hauch von Bergstadt
Über 1000 Besucher bei 3. Vogtland-Mineralienbörse - Schau 2006 fast ausgebucht
Oelsnitz. Mit einem Ausstellungs-
tisch bei der Vogtland-Mineralien-
börse im Oelsnitz ist es inzwischen
wie mit einem Abonnement der
„Wochenpost" zu DDR-Zeiten: Wer
es hat, gibt es nicht mehr her. Nicht
anders ist es zu bewerten, dass
schon vor Ende der dritten Auflage
gestern mit über 1000 Besuchern in
der Vogtland-Sporthalle die Ausstel-
lungs- und Verkaufsschau im
nächsten Jahr fast ausgebucht ist.
„Die Chancen, als neuer Aussteller
hereinzukommen, sind eher
schlecht", weiß Steffen Pestel aus
Bösenbrunn.
Bei ihm und Jörg Kasiske aus
Obertriebel sowie Thomas Müller
(Marktleuthen) laufen die Fäden für
die Börse zusammen. Der Ansturm
auf die glitzernde Vielfalt ist unge-
brochen, doch die Veranstalter
bleiben auf dem Teppich - keine
Expansion auf zwei Verkaufstage,
keine weiteren Aussteller, auch
kein anderer Veranstaltungsort.
Dieser ist historisch begründet:
„Oelsnitz war eine alte Bergstadt",
betont Pestel. Einst gab es dort so
viele Bergleute, dass für sie eine ei-
gene Siedlung außerhalb der Stadt-
mauern errichtet wurde. Der zur
Mineralienbörse vergangenes Jahr
erzielte Rekord von 1400 Besuchern
wurde diesmal nicht erreicht - für
Pestel lag der Grund vor allem in
der Laufkundschaft, die bei herr-
lichem Herbstwetter Ausflüge ins
Freie vorzog.
Die Aussteller hingegen verkauf-
ten genauso viel wie 2004. „Bis Mit-
tag hatte ich eigentlich nicht das
Gefühl, die Umsätze von verganse-
nem Jahr zu erreichen. Aber jetzt
habe ich es geschafft", freute sich
kurz vor Börsenschluss Anke Grei-
ling aus dem erzgebirgischen
Pfaffroda, die neben Mineralien aus
der Heimat vor allem Stücke aus
Marokko anbot. Das sei dieses Jahr
nicht selbstverständlich, meinte die
Händlerin, die zum zweiten Mal in
Oelsnitz war. „Bei der Hälfte der
Veranstaltungen etwa ein Drittel
weniger Umsatz als 2004", berichtet
sie aus ihren Erfahrungen.
Dass sich Oelsnitz stabil hielt,
führt Pestel auf die Auswahl der
Aussteller zurück. „Der Schmuck-
anteil nimmt bei uns nicht über-
hand. Der Großteil sind Sammler,
die selbst gefundene Stücke an den
Mann bringen."
In einem Fall drückte er gestern
ein Auge zu. „Ein Sammler kam aus
Dresden. Der hat gedacht, er kann
hier ohne Anmeldung kommen
und aufbauen." Damit der Mann
nicht wieder nach Hause fahren
musste, stellten die Veranstalter
zwei Nottische.
Als Juwel der Börse entpuppte
sich die Sonderschau „Wismut im
Vogtland": Vorkommen gab es an
27 Orten, an vier wurde Uran abge-
baut. Mit Hilfe des ehemaligen
Bergmanns Karl Demmler aus
Schreiersgrün entstand eine Doku-
mentation mit bislang unbekann-
ten Fotos, Texten und detaillierten
Grubenplänen. Da staunten selbst
Fachleute: „950 von 1000 Besuchern
haben nicht geglaubt, dass es solche
Aufnahmen gibt", weiß Jörg Kasis-
ke. Die auf dem Betriebsgelände der
streng abgeschirmten Gruben Zobes
und Bergen entstandenen Schnapp-
schüsse sind echten Raritäten.
Fünf Vitrinen zeigten vor allem
Mineralien aus dem Steinbruch Ber-
gen und 2005 gefundene Stücke.
Daneben stellte Michael Sträub aus
Netzschkau sein privates Bergbau-
museum vor.
Unter den Besuchern verlosten
die Organisatoren der Mineralien-
börse mehrere Preise. Den Haupt-
gewinn, eine Amethyst-Druse,
heimste Anne-Katrin Hoyer aus
Erlbach ein,
Bericht : Vogtlandanzeiger vom 10.10.2005 von Renate Wöllner
Das versteckte Rauchquarz - jetzt eine Sensation
3. Vogtland - Mineralienbörse am Sonntag in der Vogtland- Sporthalle in Oelsnitz / Viele Steine, Quarze und Kristalle wechseln den Besitzer
OELSNITZ - Die 3. Vogtland-Mi-
neralienbörse zog am gestrigen
Sonntag wieder zahlreiche
Schnuppergäste und Steinelieb-
haber an. Die Vogtland-Sport-
halle hatte sich in einen Basar
mit langen Tischreihen verwan-
delt, an denen die Mineralienex-
perten ihre Schätze zum Verkauf
ausgebreitet hatten. Das meiste
Material ist Handelsware, die
aus fernen Ländern kommt.
Doch wer darauf aus war, konn-
te durchaus auch Funde aus hei-
mischen Gefilden wie dem
Vogtland und Erzgebirge erwer-
ben. Die Preise hatten gegen-
über dem Vorjahr angezogen, da
Nachschub aus vielen regiona-
len Fundstätten rar wird.
Traditionell nutzen die Orga-
nisatoren Steffen Pestel und Jörg
Kasiske aus dem Vogtland sowie
Thomas Müller aus Oberfranken
die Bühne der Vogtlandhalle für
eine Sonderschau, dieses Jahr
zum Thema „Das Zobeser und
Bergener Uranabbaurevier der
SDAG Wismut". Noch nie aus-
gestellt oder veröffentlicht wa-
ren die Rauchquarzkristalle von
Siegfried Bonzio aus Werda, die
er in seiner Zeit als Kraftfahrer
im Steinbruch Bergen gesam-
melt hatte. Sie stellen wegen ih-
rer Größe eine Sensation dar. Zu
DDR-Zeiten hatte Bondzio die
Steine verstecken müssen, sie
weckten Begehrlichkeiten des
VEB Hartsteinwerke.

Komplettiert wurde die Berge-
ner Kollektion durch Wilfried
Enders aus Plauen, welcher die
größte Breite an Bergener Varie-
täten gesammelt hat. Der ehe-
malige Auslandsmonteur der
Plamag stellte herrliche Stufen
von Uranocircit, Feldspat, Apa-
tit, Turmalin, Muskovit, Tober-
nit und Quarz (Morion) aus. Das
grüne Uranocircit war noch ein-
mal in kleine Glasbehälter ein-
geschlossen, weil es schwach ra-
dioaktiv strahlt. Man sollte es
nicht gerade auf den Nachttisch
stellen, ansonsten ist das Samm-
len aber nicht gefährlich, verriet
Enders.
In einer weiteren Vitrine zeig-
te Jörg Kasiske seine ebenfalls
beachtlichen Mineralienfunde,
darunter eine auffällige Stufe des
seltenen, goldig glänzenden Mi-
nerals Markasit aus Zobes. Mine-
ralienfreunde aus Oberfranken,
darunter Mitorganisator Tho-
mas Müller, präsentierten mit
Bergkristallen, Pyrit, Arsenkies,
Bleiglanz und Glaskopf mit An-
lauffarben Funde aus der ober-
pfälzischen Grube „Bayerland"
bei Waldsassen.
Die Relikte des Erzreviers Zo-
bes-Bergeri - beide ursprünglich
getrennten Reviere wurden spä-
ter durch einen Querschacht
verbunden - sind weitestgehend
vom Erdboden verschwunden.
Gegen Ende der 50er Jahre ver-
richteten hier über 5000 Mann
schwerste Arbeit.
Die Suche
nach Uranerz begann im Som-
mer 1945, als sowjetische Trup-
pen ins Vogtland einzogen. Be-
sonders interessant war die Son-
derschau auch wegen der einig-
artigen Bilddokumente. Im Gäs-
tebuch gab es so manchen be-
geisterten Eintrag. „Die Sonder-
schau rechtfertigt allein schon
eine stundenlange Anreise. Alle
Achtung!", schrieb ein Besucher.
Auch durch neueste Funde
2004/2005 aus dem Steinbruch
Bösenbrunn bewies das Vogt-
land seine besondere Stellung
unter den mineralreichsten Ge-
bieten Deutschlands. Cacit-Stu-
fen und Kristalle bis zehn Zenti-
meter Größe und Stufen mit Ma-
lachitkristallen begeisterten in
der Sonderschau. R.W.